Traumatherapie
Trauma ist der Verlust von Verbindung
Wie gut ein Trauma verarbeitet werden kann, hängt von unterschiedlichen Faktoren ab. Nicht jedes traumatische Ereignis zieht eine Traumafolgestörung nach sich. Manchmal wird es als belastendes Ereignis verarbeitet und integriert. Das geschieht in Abhängig von verschiedenen Faktoren, wie z.B. Lebensalter, Art, Ausmaß und Schwere der Traumatisierung, der Resilienzfähigkeit, dem sozialem Umfeld und vom Erleben von Unterstützung und Beistand.
Es ist erwiesen, dass traumatische Erfahrungen im Körpergedächtnis gespeichert werden und sowohl psychische als auch körperliche Beschwerden hervorrufen können. Das führt oft dazu, dass Betroffene nicht mehr im Kontakt mit sich selbst und anderen Menschen sind.
Problematisch wird es dann, wenn der Mensch die zum Überleben mobilisierte hohe Stressenergie nicht wieder abbauen kann z.B. wenn das entsprechende Ereignis nicht verarbeitet werden kann.
Der Organismus reagiert weiterhin auf die Bedrohung der Vergangenheit, obwohl das traumatische Ereignis bereits zum Teil Jahre zurückliegen kann. Dann spricht man dann von einer Traumafolgestörung.
Es gibt unterschiedliche Arten von Traumatisierungen.
Schocktraumata
Usachen
Ein Schocktrauma ist das, was allgemein unter Trauma verstanden wird. Es entsteht durch ein einmaliges überwältigendes Ereignis wie z.B. einen Unfall, eine Operation, Verlust eines nahestehenden Menschen oder eine Naturkatastrophe. Es kann als Folge ein posttraumatischen Belastungssyndrom (PTBS) entstehen. Ein Trauma kann als Verletzung durch ein extrem belastendes Ereignis verstanden werden. Es löst Gefühle von Angst, Hilflosigkeit, Kontrollverlust, Ohnmacht und Ausgeliefertsein aus und überfordert die normalen Bewältigungsstrategien eines Menschen.
Wenn in einer bedrohlichen Situation weder Kampf noch Flucht möglich sind, schaltet der Organismus auf seine Überlebensstrategien um. Der Mensch erstarrt und dissoziiert oder kollabiert (Todstellreflex) Diese natürlichen Reaktionen sind autonom gesteuert und nicht beeinflussbar, denn sie sichern unser Überleben.
Die Überflutung im Rahmen einer überwältigenden Stressreaktion behindert die angemessene Verarbeitung des Erlebten mit der Folge, dass Betroffene die gemachte Erfahrung nicht in ihr explizites Gedächtnis integrieren und wieder Abstand davon gewinnen können. Traumatische Erlebnisse werden dann wie in Splitterstücke abgespeichert. Sie sind oft nur teilweise erinnerbar, beeinflussen jedoch unser Denken, Fühlen, Verhalten und Handeln.
Der Organismus eines traumatisierten Menschen befindet sich in ständiger Alarmbereitschaft, denn das Trauma ist im Körper gebunden und nicht im Ereignis.
Entwicklungstraumata
Ursachen
Ein Entwicklungstrauma entsteht, wenn ein Kind über längeren Zeitraum hohem Stress oder diesem über einen längeren Zeitraum wiederholend ausgesetzt ist. Wenn sich ein Kind in seiner Fähigkeit mit seiner eigenen Individualität und Würde in Verbindung zu sein bedroht fühlt, trägt dies zur Entstehung maßgeblich bei.
Die Folgen eines Entwicklungstraumas sind oftmals sehr einschneidend, weil sich betroffene Kinder nicht normal entwickeln können und die Weiterentwicklung des Kindes empfindlich gestört werden kann. Die Erfahrungen können sich auf verschiedenen körperlichen Ebenen, wie der Haltung, der Beweglichkeit, in Mimik und Gestik, der Körperwahrnehmung, im Atemrhythmus und der Möglichkeit Emotion und Stress adäquat zu regulieren manifestieren. Entwicklungstraumata verletzen ein Kind sowohl in seiner Individualität als auch in seiner Fähigkeit zur Bindung und Beziehungsgestaltung.
Ein Entwicklungstrauma zeigt sich nicht nur im Verhalten von Menschen, sondern auch messbar in ihrem Nervensystem, denn es zeigen sich identische Merkmale im Nervensystem wie bei Menschen, welche ein Schocktrauma erlebt haben. Durch ein Entwicklungstrauma kann eine komplexe posttraumatische Belastungsstörung entstehen.
Mögliche Gründe für ein Entwicklungstrauma
- komplizierte Schwangerschaft der Mutter
- schwierige Geburtsverläufe
- frühe Trennungserfahrungen von den Eltern (z.B.: Krankenhausaufenthalt)
- emotionale Vernachlässigung
- dysfunktionale Familienverhältnisse
- psychisch erkrankte Elternteile
- Geburt von Geschwistern in der frühen Entwicklungsphase
- Gewalterfahrungen (körperliche, sexualisierte oder seelische)
- Verlust von Bezugspersonen in der Kindheit
- Überbehütete Kindheit
- Extremer Mangel an Entscheidungsmöglichkeiten
Entwicklungstrauma
Mögliche Folgen als Erwachsener
- Minderwertigkeitsgefühle
- Kontrollbedürfnis
- Selbstüberforderung
- Angst vor Ablehnung
- niedrige Stress-Toleranz
- verzerrte Selbstwahrnehmung
- psychosomatische Erkrankungen
- Schwierigkeiten bei der Selbstregulation
- hohe und dauerhafte Aktivierung des Nervensystems (z.B. Schlafstörungen, innere Unruhe)
- Schwierigkeiten sich Abzugrenzen und Grenzen zu ziehen
- Beziehungsstörungen
- Depression
- Angststörungen
- Panikstörungen
- Burn Out
- AD(H)S
- Erschöpfungssyndrom
- Essstörungen
- Zwangsstörungen
- Süchte (Alkohol, Drogen, Medikamente)
- Schmerzzustände
TraumaTA Folgestörungen
Die Behandlung
1. Phase - Stabilisierung
Manchmal reichen die Methoden der Stabilisierungsphase aus, um wieder deutlich mehr Lebensqualität zu erfahren. Unser Fokus richtet sich dabei auf vorhandenen Stärken und körperliche sowie psychische Ressourcen, welche wir mobilisieren um wieder ein Gefühl von Sicherheit zu erlangen. Reorientierung und Distanzierung unterstützen eine Präsenz im Hier und Jetzt zu entwickeln. Achtsamkeitsübungen, Körperarbeit, traumasensitives Yoga, Atemübungen verbessern die Selbstwahrnehmung und Selbstregulierungsmöglichkeiten und fördern einen angenehmeren Bezug zum eigenen Körper. Bereits in dieser Phase können sich traumatypische Symptome deutlich reduzieren, weil sich das Toleranzfenster vergrößert.
2. Phase - Traumabearbeitung
Je mehr innere Stabilität und Sicherheit empfunden und im Leben integriert werden kann, desto mehr kann eine schonende Traumabearbeitung Thema sein. Durch sehr langsames, bewusstes und behutsames Vorgehen lernen die Klienten zu verstehen, wie ihr Körper funktioniert und welche Art von Unterstützung er benötigt, um die gebundene hohe Stressenergie abzubauen und den Körper in seine natürliche Fähigkeit zur Selbstregulation zu bringen bzw. ihn dabei zu unterstützen. Aus der gegenwärtigen Distanz heraus betrachten wir, was immer wieder an die Oberfläche drängt. Der Körper wird mit all seinen Sinnen einbezogen. Im Gespräch erkunden wir Empfindungen und Körperwahrnehmungen und beziehen den Körper über Bewegung und Wahrnehmung von Bewegung sowie das gesamte Nervensystem mit in den Lösungsprozess ein. Eine Traumabearbeitung unterstützt das Auflösen von akuten und chronischen Stresssymptomen und Traumafolgestörungen durch Freisetzen der im Nervensystem gebundenen Spannungen in achtsamer Weise.
3. Phase - Integration
Das Ereignis kann nicht ungeschehen gemacht werden, jedoch ist es möglich, die Erfahrungen so zu verarbeiten, dass das Erlebte seinen Platz in der eigenen Lebensgeschichte findet und Erinnerungen daran nicht mehr überfluten.
Ein wichtiger Teil des Integrationsprozesses ist das Würdigen von Trauer, Schmerz, Wut und traumabedingten Einschränkungen im Leben.